Das Wort Maskulismus ist eine Analogbildung zu Feminismus, das
von Teilen der "Neuen Männerbewegung" als Selbstbezeichnung verwendet
wird. Seine Anhänger engagieren sich gegen gesellschaftliche Zustände,
die sie als Benachteiligung von Männern empfinden. Im Gegensatz zum Feminismus
begreift sich die Neue Männerbewegung nicht als theoretisches Konstrukt,
sondern in erster Linie als eine Initiative mit dem Ziel, als fehlerhaft
empfundene politische Maßnahmen auf der Grundlage des Rechtsstaatsprinzips
zu korrigieren. Sie gehen nach eigener Aussage von den Bedürfnissen der
Männer aus und streben eine grundlegende Veränderung der gesellschaftlichen
Normen an.
Verhältnis zum Feminismus
Der Maskulismus vertritt zumeist eine antifeministische Position und lehnt
jegliche sozialwissenschaftliche Forschung, die ihre eigenen Thesen widerspricht,
als feministisch geprägt und somit nicht objektiv ab. Jedoch erkennen
liberalere Maskulisten bestimmte aktuelle Strömungen des Feminismus an,
die ähnlich Thesen wie sie selbst vertreten (wie z.B. Wendy McElroy und
ihren libertären Individualfeminismus). Sie arbeiten auch mit anderen
Männerrechtlern zusammen. Pro-feministische Männerrechtler und Männerforscher
werden jedoch zumeist strikt abgelehnt.
Entstehungsgeschichte
Die Neue Männerbewegung ist eine relativ junge soziale Bewegung,
die Ende der 1990er Jahre zum Teil aus der Männerbewegung hervorgegangen
ist. Im Gegensatz zu letzterer strebt sie nicht ein Herauslösen des Mannes
aus seiner traditionellen Geschlechterrolle, sondern eine grundlegende
Veränderung der Gleichstellungspolitik zugunsten der Männer an. Aus der
Sicht des Maskulismus wird der seit den 1980er Jahren stetig wachsende
politische Einfluss des Feminismus kritisiert, der zum Teil zu einer Frauenförderung
führe, die de facto auf Ungleichbehandlungen beruhe. Zugleich wird der
Emanzipationsbewegung vorgeworfen, sich seit 1968 nur mit der Modernisierung
des traditionellen Rollenbildes der Frau beschäftigt zu haben. Auch deswegen
sei eine der Frauenemanzipation ebenbürtige Männeremanzipation weitgehend
ausgeblieben. Maskulismus versteht sich insofern nicht als eine anachronistisch-konservative
Bewegung, wie ihm oft vorgeworfen wird. Vielmehr bildet die "Neue Männerbewegung"
ein Sammelbecken für Angehörige verschiedener politischer Gesinnungen,
die sich auf die Lösung männerspezifischer Probleme verständigt haben.
In den USA ist die "maskulistische Bewegung" etwa 15 Jahre älter als in Deutschland.
Wurzeln des Maskulismus in Deutschland liegen u.a. in der "Väterbewegung".
Ziele des Maskulismus
Mitglieder der "Neuen Männerbewegung" thematisieren eine Reihe von Sachverhalten als problematisch. Als gemeinsamer Nenner wird dabei die Ungleichbehandlung von Männern und Frauen aus Sicht der Maskulisten zugunsten der Frauen herausgestellt.
Lebenserwartung und Gesundheit
Thematisiert wird die um sieben Jahre geringere Lebenserwartung von Männern
im Vergleich zu Frauen. Als Ursache dafür werden gesundheitliche Folgeschäden
der Arbeit sowie tödliche Arbeitsunfälle gesehen, die aufgrund der ungleichen
Geschlechterverteilung der Arbeit als "männerspezifisch" angesehen werden.
Männern solle stärker vermittelt werden, dass sie nicht ihre Gesundheit
oder ihr Leben beispielsweise in einem der von der Weltgesundheitsorganisation
(WHO) so bezeichneten "Todesberufe" aufs Spiel setzen müssen, nur um mit
dem erzielten Einkommen Frauen zu unterhalten. Zudem solle das Gesundheitssystem
stärker auf Männer zugeschnitten werden. Nach maskulistischer Darstellung
liegt der Wissensstand über den männlichen Körper im Vergleich zum Wissen
über den weiblichen Körper um rund dreißig Jahre zurück. Zudem sei der
medizinische Fokus auf das weibliche Geschlecht konzentriert. Gefordert
wird teilweise ein Männerarzt, der analog zum Frauenarzt die Geschlechtsorgane
von der Jugend bis ins Alter regelmäßig betreut, untersucht und behandelt.
Auch sei es notwendig, gezielt Beratungs- und Hilfsangebote für Männer
zu entwickeln, etwa in Bezug auf Depressionen.
Schutzmaßnahmen
Männer benötigen nach maskulistischer Auffassung dieselben Schutz- und
Unterstützungsmaßnahmen wie Frauen. Darunter verbirgt sich die Forderung
nach der Abschaffung spezifisch auf Frauen ausgerichteter Sozialhilfeprogramme,
sowie von Frauentaxis, Frauenparkplätzen etc. Begründet wird dies mit
der Zahl männlicher Opfer von Gewalttaten.
Einen Schwerpunkt in der Öffentlichkeitsarbeit der Maskulisten stellt
der Hinweis auf männliche Opfer häuslicher und sexueller Gewalt dar. So
vertritt etwa der Mainzer Kriminologie-Professor Michael Bock im Rückgriff
auf zahllose nationale und internationale Forschungsergebnisse die These
einer Gleichverteilung männlicher und weiblicher Täter bei häuslicher
Gewalt (vgl. Siegfried Lamnek und Manuela Boatca: Geschlecht – Gewalt
– Gesellschaft, VS-Verlag 2003). Professor Dr. Gerhard Amendt vom Institut
für Geschlechter und Generationenforschung der Universität Bremen bekundete
in der „Welt“ vom 24. September 2004 sogar eine Überzahl weiblicher Täter:
„Dabei wissen wir doch - nicht erst aus meiner Scheidungsforschung mit
3600 Männern -, dass allein in der Scheidungskrise, sicher eine der schwersten
im privaten Leben, 64,4 Prozent der vielfältig abgestuften psychischen
und körperlichen Gewalthandlungen von der Partnerin ausgehen, 14,8 Prozent
von beiden und 14 Prozent von den Männern.“ Gegner dieser Annahmen wenden
ein, dass die zitierten Untersuchungen als gemeinsames Messinstrument
die CTS oder Konflikttaktik-Skalen verwendeten, welches methodische Fehler
aufweise und für weitergehende Interpretationen ungenügend sei. Auf diese
Kritik geht insbesondere der Bericht "Gewalt in der Familie" des Wiener
Bundesministerium für soziale Sicherheit und Generationen (2001) ein,
der insgesamt zu dem Ergebnis kommt, dass „die Raten gewalttätiger Männer
und Frauen maximal ein Drittel voneinander abweichen. Einige Untersuchungen
konnten dabei eine höhere Rate von Gewalt gegen Männer, andere wiederum
eine höhere von Gewalt gegen Frauen nachweisen.“
Von Maskulisten wird angeführt, dass es in Deutschland bisher nur zwei Hilfsprojekte spezifisch für männliche Opfer häuslicher Gewalt gibt. Laut Gesetz stehen Männern wie Frauen zwar hunderte von öffentlichen Beratungs- und Kriseninterventionsstellen für Gewaltopfer offen. Laut der Maskulisten werden aber männliche Gewaltopfer, insbesondere wenn sie Opfer von Frauengewalt werden, häufig nicht ernst genommen. Auch erfolge in diesen offenen Stellen vorwiegend eine Sensibilisierung auf die Frau als Opfer. Auch das Gewaltschutzgesetz wurde unter dem Motto "Der Täter geht, die Geschlagene bleibt" eingeführt und meist müsse, unabhängig davon wer die geschlagene Person in einem Streit war, der Mann die gemeinsame Wohnung verlassen.
Aus Sicht der Maskulisten wird insbesondere die Berichterstattung über häusliche Gewalt kritisiert, da dort vor allem Frauen als Opfer erscheinen. Häusliche Gewalt sei nur zu überwinden, wenn nicht länger ein Schwarzweißbild von bösen Männern, die brave Frauen prügeln, gezeichnet werde.
Ein spezielles Problem stellen aus maskulistischer Sicht Falschbezichtigungen bei Vergehen wie sexuellem Missbrauch und bei anderen Formen sexueller Gewalt dar.
Jungenarbeit
Organisationen, die von Frauen missbrauchte Jungen betreuen, haben nach maskulistischer Auffassung ebenso ein Anrecht auf staatliche Unterstützung wie das umgekehrt für Gruppen gilt, die sich von Männern missbrauchten Kindern widmen.
Im Schulunterricht sollen aus Sicht der Maskulisten spezielle pädagogische Angebote für Jungen erarbeitet werden. Hauptverantwortlich für die Defizite von Jungen sind laut der Maskulisten die Beschränkung der Förderung auf Mädchen. Teilweise werden Frauen von Maskulisten als heute noch zumeist den Hauptteil der Erziehungsarbeit tragende Mütter für soziale Defizite bei Jungen verantwortlich gemacht.
Diffamierung
Ein zentrales Anliegen vieler Maskulisten ist die von ihnen so wahrgenommene
sexistische Herabwürdigung von Männern in den Medien. Gemeint sind damit
Slogans wie "Männer sind Schweine" (Titel eines Liedes der Ärzte), "Nur
ein toter Mann ist ein guter Mann" (Buchtitel), "Ich bremse auch für Männer"
(Autoaufkleber) oder Artikel über das männliche Geschlecht wie z.B.: "Jetzt
auch Biologen: Der Mann ist ein Mangelwesen der Natur, sein Y-Chromosom
verkümmert, der Mann ist dem Untergang geweiht" (Spiegel). Diese Formulierungen
sind aus Sicht der Maskulisten diskriminierend (wie es bei analogen Formulierungen
mit anderen Kollektivgruppen deutlich werde). Entsprechend wird das Recht
auf Anerkennung als schützenswerte Rechtsperson und als Mensch für Aussagen
über Männer eingefordert.
Gleichheitsgrundsatz
Auf der Grundlage des Gleichheitsgrundsatzes der Verfassung fordern Maskulisten etwa einen für Frauen wie Männer geltenden Wehr- und Ersatzdienst. Die öffentliche Finanzierung von Institutionen, die nur von Frauen genutzt werden dürfen, wird abgelehnt (etwa universitäre Frauenbibliotheken, Zuschüsse für Frauenhäuser etc.).
Nach Ansicht vieler Maskulisten ist es im politischen Bereich nicht hinnehmbar, Frauen stärker als Männer zu fördern. So wird kritisiert, dass es in Deutschland keinen Männerminister gibt. Teilweise wird die Abschaffung von Frauenbeauftragten zugunsten von paritätisch mit Frauen und Männern besetzten Gleichstellungsbüros gefordert. Dem liegt implizit die Annahme zugrunde, dass Männer und Frauen in der heutigen Gesellschaft gleichermaßen geschlechtsspezifische Probleme und Nachteile erfahren.
Scheidung und Sorgerecht
Da ein großer Teil der Maskulisten aus der Väterbewegung hervorging, wurden
auch deren Anliegen in großen Teilen übernommen. Als Grundproblem wird
genannt, dass viele Väter für ihre Kinder zwar Unterhalt zahlen müssen,
die Mütter aber den Kontakt mit ihnen sabotierten. Grundsätzlich sollte
nach Auffassung vieler Maskulisten Sorge- und Umgangsrecht bei beiden
Eltern liegen, gleichgültig ob sie verheiratet, geschieden oder getrennt
leben. Die gemeinsame Verantwortungsgemeinschaft für das gezeugte Leben
könne nicht einseitig zerstört werden. Insbesondere uneheliche Väter müssten
aus ihrer weitgehend rechtlosen Position befreit werden.
Wissenschaftskritik
Kritisiert wird ferner, dass im akademischen Bereich Gender Studies sowie
Männerforschung einen feministischen Blickwinkel einnähmen. Hier sei entweder
eine neutrale Perspektive oder eine gleichberechtige Darstellung von Frauen-
wie Männerperspektive notwendig. Die Wissenschaftlichkeit von Frauenforschung
und feministischer Forschung wird bestritten und ihre Aussagen demzufolge
nicht anerkannt.
Kritik an der Rollenverteilung
In der Neuen Männerbewegung sind zunehmend Strömungen vorhanden, die kritisieren, dass der Feminismus sich ausschließlich darum bemüht hat, für Frauen ein neues Rollenverständnis geschaffen zu haben, was zu Lasten der Rolle der Männer gegangen sei. Unter anderem sei von Feministen die Parole "Jeder Mann ist ein potentieller Vergewaltiger" erfunden und das Bild vom Mann als Täter und der Frau als Opfer verbreitet worden. Eine Veränderung zugunsten beider Geschlechter sei dadurch verbaut worden, so dass Männer weder "frauentypische" Berufe wie Grundschullehrer und Kindergartenerzieher als attraktiv betrachten, noch dort gerne von der Gesellschaft oder manchen Müttern gesehen werden.
Freie Vaterschaftsbestimmung
Gegen das von Brigitte Zypries (SPD) geplante Gendiagnostikgesetz, in
dem Vaterschaftsfeststellungen im Wege privat und ohne Wissen von Mutter
und Kind durchgeführter Abstammungsgutachten verboten werden sollen, wurde
in der Öffentlichkeit nicht nur von Seiten der Maskulisten und der Väterbewegung
erheblicher Widerstand laut. Anliegen der Männerbewegung ist es, jedem
Mann, aber auch jedem Kind die zweifelsfreie Feststellung zu ermöglichen,
wer tatsächlich der Vater ist. Ein Test auch ohne Zustimmung der Mutter
diene dem Familienfrieden, da mögliche Zweifel so nicht in die Familie
hineingetragen würden. Männerrechtler vertreten die Ansicht, dass das
Unterschieben eines Kindes als Personenstandsfälschung (§
169 StGB) und regelmäßig auch als (Unterhalts-)Betrug (§
263 StGB) strafbar sei. Die vorsätzliche Unterstützung dieser Taten
sei als Beihilfe zu werten (§
27 StGB). Der Staat dürfe sich nicht zum Komplicen strafbaren Handelns
machen, auch wenn die Täter hier fast ausschließlich weiblich seien. Aufgabe
des Staates sei nicht die Unterstützung von Delikten, sondern deren Verhinderung
und Aufklärung. Beides werde durch ein Verbot privater Vaterschaftstests
ohne Zustimmung der potentiellen Täterin erheblich erschwert.
Eine von den gesetzlichen Vermutungen des BGB abweichende gerichtliche
Vaterschaftsfeststellung oder Vaterschaftsanfechtung stoße aufgrund hoher
materiellrechtlicher und prozessualer Hürden bis hin zur Einschränkung
des Untersuchungsgrundsatzes zugunsten der vermuteten Vaterschaft (§ 640
d ZPO) auf erhebliche Probleme. Obwohl die Beweislast beim Kläger liege
und von diesem die Vorlage eines "schwerwiegende Zweifel" an seiner Vaterschaft
begründenden Gutachtens erwartet wird (vgl. § 641 i ZPO in Verbindung
mit §§ 1600 c und 1600 d BGB) würden entsprechende DNA-Analysen von Gerichten
unter Berufung auf die informationelle Selbstbestimmung (des Kindes) pauschal
als unzulässig verworfen und die Weigerung der Mutter oder des Kindes,
auf Bitten des (gesetzlichen) Vaters an einer DNA-Begutachtung mitzuwirken,
entgegen Mutschler (FamRZ 2003, 74, 76 a.E.) nicht als Beweisvereitelung
gewertet, die je nach den Umständen des Falles einen für die Zulässigkeit
der Klage ausreichenden Anfangsverdacht der Nichtvaterschaft begründen.
Die Weigerung der Mutter oder des Kindes, der Verwertung erlangter DNA-Gutachten
nachträglich zuzustimmen, werde auch dann nicht als ein die Anfechtungsklage
eröffnender Umstand angesehen, wenn sie nach ihrem Inhalt die Nichtvaterschaft
100%ig beweisen (BGH, Urteil vom 12. Januar 2005 - XII ZR 227/03 - Kaugummi).
Maskulisten sehen darin eine weitere Diskriminierung. Diese richtet sich allerdings
nicht nur gegen Männer als (gesetzliche) Scheinväter, sondern auch gegen
das Kind, wenn ihm der wirkliche oder vermeintliche Vater seinerseits
die DNA-Analyse verweigert (BGH, Urteil vom 18. Septmber 2003 - XII ZR
62/01). Neutrale Beobachter tendieren zu dem Vorschlag, Eintragungen in
das Personenstandsbuch künftig von Amts wegen von der zweifelsfreien Feststellung
der leiblichen Vaterschaft mittels DNA-Analyse abhängig zu machen und
die nicht mehr zeitgemäßen Vermutungen und Anerkenntnisse des BGB als
obsoletes Kriterium abzuschaffen. Ärzte und Krankenhäuser könnten gesetzlich
verpflichtet werden, die personenstandsrechtlich gebotene Untersuchung
bereits bei der Geburt eines jeden Kindes vorzunehmen und im übrigen wie
alle Patientendaten vertraulich zu behandeln.
Kritik am Maskulismus
Sowohl aus dem profeministischen Zweig der Männerbewegung, von Befürworter/innen
der weiblichen Emanzipation, als auch von Psychologen und Soziologen wird
der Maskulismus heftig kritisiert. Aus ihrer Perspektive zielt der Maskulismus
weniger auf tatsächliche Gleichberechtigung und einer wirklichen Veränderung
der Geschlechterrolle des Mannes, als auf eine Revitalisierung traditioneller
Rollen (Backlash) und Wiederherstellung männlicher Dominanz. Kritisiert
wird dabei sowohl die Analyse der Maskulisten als auch ihre Zielperspektive.
Aus Sicht auf die Analyse wird den Maskulisten vorgeworfen, tatsächlich existierende gesellschaftliche Benachteiligungen von Frauen zu ignorieren und zugleich Eingriffe in jahrtausendelange männliche Dominanz als Benachteiligung von Männern umzudefinieren. Der Maskulismus suggeriere, dass Frauen und Männer in der heutigen Gesellschaft dieselben Probleme hätten, Frauen heute im Prinzip gleichgestellt seien und keine gesellschaftliche Benachteiligung mehr erführen, während Männer diskriminiert würden. Die wissenschaftlich nachgewiesene tatsächliche Ungleichheit der Geschlechter in Bezug auf den Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen und auf gesellschaftliche Teilhabe werde bestritten, wenn sie nicht mit den Zielen des Maskulismus übereinstimme. In einigen Themenfeldern wird Maskulisten von Sozialwissenschaftlern vorgehalten, naiv oder willentlich mit falschen Zahlen zu operieren, etwa wenn bei der Geschlechterverteilung im Bereich der Täterschaft bei häuslicher Gewalt körperliche und psychische Gewalt gleichgesetzt werden oder wenn aus Opferbefragungen implizit auf eine Geschlechtersymmetrie zwischen Opfern und Tätern geschlossen werde. Maskulistischen Schriften fehle deshalb eine wissenschaftlich tragfähige Basis.
Beklagt wird zudem die fehlende Auseinandersetzung der Maskulisten mit
der eigenen Männerrolle und dem dazugehörenden Verhalten (vgl. dazu:
Männlichkeit). So kritisiert Hans-Joachim Lenz (Soziologe in der Männerforschung),
dass die Maskulisten es verpassen, ihre eigene Rolle als Männer in einer
männerdominierten Gesellschaft und ihre eigenen Herrschaftsinteressen
kritisch zu hinterfragen:
- "Die Revitalisierung traditioneller Männerbilder wird angestrebt. Diese Strömungen gehen von der Unterdrückung der Männer durch die Frauen aus. Im Zentrum ihres Ansatzes steht die Unterstützung von Männern, die an Frauen leiden, insbesondere in Ehescheidungs- und Sorgerechtsangelegenheiten. [...] Anzeichen einer Fundamentalisierung auf der Geschlechterebene finden sich auch in Deutschland. So bieten sich Gruppierungen der "wilden Männer", wie sie nach Robert Blys Bestseller "Eisenhans" in vielen Städten aufkeimen, als Sammelbecken einer unkritischen Aufwertung alter Männerherrlichkeit bis hin zum sexistischen "roll back" an. Diese Entwicklung hin zur Mythologisierung und Biologisierung des Geschlechterverhältnisses halte ich aus der emanzipatorischen Perspektive für sehr gefährlich."
Als ein wichtiger Punkt der Kritiker des Maskulismus gilt hier eine "identitätspolitische Geschlechterfixierung" - aus biologischen Unterschieden zwischen Männern und Frauen würden von Maskulisten soziale Normen des Verhaltens von Männern und Frauen abgeleitet. Trotz der Betonung des Gleichheitsgrundsatzes werde oftmals von einer prinzipiellen Verschiedenheit von Männern und Frauen ausgegangen. Neuere Erkenntnis zur gesellschaftlichen Konstruktion der Geschlechterrollen ("doing gender") würden weitgehend ignoriert.
In Bezug auf die Zielsetzung des Maskulismus wird eine angeblich fehlende Absetzung von reaktionären und frauenfeindlichen Mitgliedern bzw. deren Positionen kritisiert. Von Autoren der profeministischen Männerbewegung, aber auch Psychologen und Soziologen, wird im Maskulismus ein Versuch gesehen, unter dem Deckmantel eines nur schienbar gerechten "Gleichheitsgrundsatzes" eine überkommene männliche Positionen auf Kosten von Frauen durchsetzen und die männliche Herrschaftsstruktur wiederherstellen zu wollen. Konkret ginge es dabei um die rarer werdenden Jobs, Zugänge zu Sozialleistungen und gesellschaftliche sowie private Macht.
Gesellschaftliche Relevanz
Bisher ist der Maskulismus eine weitgehend auf populäre Veröffentlichungen
und das Internet beschränkte Bewegung. Im Rahmen eines allgemeinen gesellschaftlichen
Backlash sowie aus einer konservativen Sicht auf das Geschlechterverhältnis
werden einzelne - gleichstellungs- und feminismuskritische - Forderungen
des Maskulismus aufgenommen, ohne sich jedoch explizit auf das von Maskulisten
zu diesen Forderungen errichtete Gedankengebäude zu beziehen. Ein positives
Beispiel dafür ist die Einführung für berufsinformierende Veranstaltungen
für Jungen in Baden-Württemberg zur Zeit des Girlsday in neun verschieden
Städten. Ein Beispiel für eine gesellschaftliche Bezugnahme auf maskulistische
Ideen ist die im Sommer 2003 durch Artikel im Feuilleton u.a. der FAZ
initiierte Diskussion über Frauen in gesellschaftlichen Leitungsfunktionen.
Im März 2003 sprach der CDU/CSU-Abgeordnete Markus Grübel im deutschen Parlament über die Benachteiligung von Männern, was die Berliner "tageszeitung" vom 14. März 2003 als "die erste Männerrechtler-Rede des deutschen Bundestages" bezeichnete. Zwei Jahre später, am 10. März 2005, brachte Grübel den Antrag "Tatsächliche Gleichberechtigung durchsetzen" ein, mit dem er die Bundesregierung aufforderte, "in der Gleichstellungspolitik stärker als bislang auf einen Geschlechterkonsens hinzuwirken und darauf zu achten, dass Gleichstellungspolitik Frauen und Männer im Blick hat." Während die Bundesregierung jährlich einen Frauengesundheitsbericht vorlege, gebe es kein entsprechendes Gegenstück für Männer. Während sich viele Bundestagsdrucksachen mit dem Thema Frauen in Männerberufen befassten, sei das Thema Männer in Frauenberufen nicht relevant. Nach wie vor seien spezielle Angebote für Männer im Scheidungsfall Mangelware. Während es landauf, landab Frauentage, Frauenwochen und Ähnliches gebe, seien Männertage extrem selten. Grübel betonte: "Auch Männer haben Rechte."
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